Sahara Weltenbummler Achill Moser in Afrika

Achill Moser kann selbst die "Bahr bila ma" nicht abschrecken, so wird sie von arabischen Kamelführern genannt, und was so schön melodisch klingt, verspricht in der Übersetzung nichts Gutes. Denn Meer ohne Wasser heißt die Sahara nicht ohne Grund: Mit neun Millionen Quadratkilometern ist sie die größte Riesensandkiste der Welt und entspricht etwa der Größe der USA. So viel Lebensfeindlichkeit auf so großer Fläche könnte einem Angst einjagen. Moser ist furchtlos. 135 Tage war der Wüstenwanderer in der Trockenwüste unterwegs. Von Westen nach Osten, vom Atlantik zum Nil. Entlang der ehemals größten Karawanenstraße Afrikas reiste der gebürtige Hanseat durch unberührte Dünenlandschaften, vulkanische Gebirgsmassive, vorbei an exotischen Oasen. Kein Mensch hat zuvor je diese "nordafrikanische Längsdurchquerung der Sahara" zu Fuß und per Kamel bewältig.

Für Moser ist die Sahara die Größte, aber beileibe nicht die erste Wüste, die er schon bezwungen hat. Ganz auf sich allein gestellt, bewältigte er zu Fuß schon die über 700 Kilometer lange Strecke durch die Wüste Gobi nach Dunhuang. Er durchquerte - begleitet von Beduinen - die Wüste Sinai - zu Fuß und auf dem Kamel, vom Golf von Suez bis zum Golf von Akaba. Er folgte Karawanenwegen, Pilgerpfaden und alten Entdeckerrouten. Trotzte eiskalten Nächten, heftigen Sandstürmen, zog den ein oder anderen Skorpion am Morgen aus seinem Stiefel und wurde in der Sahara von einer gelben Wand aus Sand verschluckt.

Auf 25 Wüsten bringt es der vollbärtige Nomade, der ein wenig an Reinhold Messner erinnert, mittlerweile, doch Rekorde bedeuten dem 56-Jährigen nicht viel. Ihn treibt die Sucht nach Ursprünglichkeit und Entschleunigung. Und die Suche nach Glücksmomenten im Elementaren wie einem Schluck Wasser in der Hitze, einem Feuer in eisiger Nacht. 15.000 Kilometer durch die Wüsten zu laufen, ist für Moser wie eine "Wanderung durch die eigene Seele". Klar, dass bei dieser Seelensuche Hightech wie GPS-Geräte und Handy nichts verloren haben. Moser verlässt sich auf die Sterne und einen einfachen Handkompass und geht, wo es geht zu Fuß, denn: "Nur zu Fuß hält die Seele Schritt."

Wirft man einen Blick auf seine Expeditionsrouten, ist es kaum vorstellbar, dass dieser Mann, der sich hinter niederknieenden Kamelen vor Sandwalzen schützt und unwissentlich schon mal mit einer gefährliche Viper im Rucksack herumspazierte, auch mal zu Hause neben Frau und Kindern auf dem Sofa sitzt und sich um 20.15 Uhr ganz profan die Tagesschau ansieht. Doch tatsächlich: Moser führt ein Doppelleben zwischen Stadtvilla und Beduinenzelt. Wenn er nicht gerade wieder mal in der völligen Einsamkeit zu sich findet, lebt er als Großstadtbürger und Familienvater in Hamburg, spielt Fußball, geht in die Oper und schreibt Bücher und Reportagen über seine Erlebnisse in der Ferne. Nicht nur in sandigen Weiten.

Moser hat noch mehr exotische Wanderungen in Petto: Er lebte schon bei nomadisierenden Völkern in Afrika und Asien, segelte auf den vermeintlich-historischen Seerouten des Odysseus und der Wikinger oder befuhr im Faltboot den Nil und den Niger. Dass Deutschland auch auf seiner Wanderkarte steht, verblüfft da fast ein wenig. Moser folgte der Route des Dichters Heinrich Heine zusammen mit seinem fünfzehnjährigen Sohn Aaron. Im gleichen Alter zog auch Moser das erste Mal los. Allerdings fuhr er damals mit dem Zug nach Marokko und begleitete eine Beduinen-Karawane in die Sahara.

MERIAN-INFO

Am 4. und 5. Dezember erzählt Achill Moser über seine Wüstenerlebnisse auf der Weltenbummler-Messe in Hamburg
Museum für Völkerkunde, Rothenbaumchaussee 64, Kartentelefon: 040 - 44 188 261, Eintritt je 10 Euro
.

 

Schlagworte: