Tansania Nachhilfe in Naturschutz

Eigentlich sollte es im kleinen Dorf Jambiani an der Südostküste Sansibars ein ganz besonderer Tag werden, ein Tag für die Rettung der Umwelt. Zwei Naturschutz-Organisationen und Freiwillige schwärmten an die Strände aus, um die Müllberge dort zu beseitigen. Mehrere Stunden lang sammelten sie liegengelassene Flaschen, gestrandete Flip-Flops oder Plastiktüten ein. Das Ergebnis konnte sich zunächst sehen lassen. Als es allerdings um die Entsorgung ging, traute Patricia Elias ihren Augen nicht.

"Als ich vom Müllsammeln zurückkam, sah ich, wie ein paar Leute ein tiefes Loch am Strand gruben. Der Müll lag teilweise schon drin," sagt die Direktorin einer kostenlosen Schule für Tourismus, die 2003 in Jambiani gegründet worden ist. "Es hat mich einige Erklärungsversuche gekostet den Beteiligten zu vermitteln, dass das so nicht funktioniert. Man pinselt ja Rost auch nicht einfach mit Farbe über." Das Thema Umweltschutz ist in manchen Gegenden Tansanias nach wie vor ein zartes Pflänzchen. Viele Menschen in dem afrikanischen Land leben an der Armutsgrenze. Bei ihnen zählt eher die Sorge darüber, wie sie am kommenden Tag über die Runden kommen, denn der Gedanke darum, wie geleerte Plastikflaschen entsorgt werden sollten.

Und so brennt kontinuierlich an jeder größeren Hauptstraße ein Müllberg. Egal ob Plastik, Papier oder Batterien - das Feuer muss alles fressen, was der prallgefüllte Abfallbeutel hergibt. Feinen Nasen gefällt es genauso wenig wie denen, die sich in Tansania für den Umweltschutz einsetzen. Wer nicht die Flammen zur Hilfe nimmt, macht die Natur zur spontanen Mülldeponie. Auf touristische Sehenswürdigkeiten nimmt die Wegwerfgesellschaft dabei keine Rücksicht; der Müll wird genauso auf 4000 Metern Höhe auf dem Kilimandscharo entsorgt wie direkt am feinen Sandstrand im Indischen Ozean.

"Die Menschen haben einfach andere Sorgen. Daher ist es auch wichtig, sie langsam an das für sie fremde Thema heranzuführen," sagt Elias. Langsam, das bedeutete am "Tourism Training Institute" erst einmal die Einführung eines Recyclingsystems inklusive Komposthaufen. Einen Mülleimer für Plastik, einen für Papiermüll. Der Umweltgedanke fließt in die Unterrichtsstunden mit ein. "Die Studenten hören gut zu, leider wird am Anfang das Wenigste umgesetzt." Immerhin verzeichnet Elias einen Erfolg - nach zwei Jahren Ausbildung. Die Studenten gehen mit einem guten Sinn für Umweltschutz und der Erkenntnis, dass Tansania als Reiseziel für Touristen nur dann dauerhaft interessant bleibt, wenn die Schönheit seiner Landschaft erhalten bleibt.

Ökotourismus hat Vorteile

Auch auf der Insel Chumbe zeichnet sich grüner Erfolg ab. Die Insel, 10 Kilometer südlich von Sansibars Hauptstadt Stone Town, steht für das grüne Gewissen Tansanias und wurde dafür schon vielfach ausgezeichnet. Hier wurde unter anderem ein Ressort gegründet, das sich ausschließlich aus regenerativen Energien versorgt. Der Strom kommt vom Solardach, die Toiletten veredeln Ausscheidungen zu Dünger, das Duschwasser wird von der Sonne erhitzt. Die Bungalows im Stil des Sydney Opera Houses sind zwar nicht preiswert, allerdings kann sich der Gast sicher sein, dass sein Geld auch zurück in den Umweltschutz fließt. Denn das Chumbe Island Resort arbeitet als Non-Profit-Organisation und unterstützt den Ökotourismus. Der Gewinn wird in den Erhalt der Insel und in Bildungsprojekte gesteckt. So werden auch Schüler, lokale Fischer und Kapitäne auf Chumbe ausgebildet. Sie besuchen das Klassenzimmer der Insel und gehen mit ausgebildeten Park-Rangern zum Schnorcheln. Dabei sollen sie ein größeres Verständnis für das marine Ökosystem, seine Zusammenhänge und die Effekte des Fischens auf das Leben im Meer entwickeln. "Bisher ging ich davon aus, es sei nicht schlimm mit Dynamit zu fischen. Ich dachte Korallen seien Steine und es macht nichts, wenn sie zerstört werden", sagt ein Fischer aus Stone Town, der seinen Namen nicht nennen möchte. Ihm und seinen Kollegen wird auf Chumbe beigebracht, dass der Ökotourismus auch seine Vorteile hat. Es geht darum zu zeigen, dass auf dem sanften Wege auch neue Einnahmequellen gewonnen werden können.

Wie mit reinem Umweltgewissen Geld gespart, ja gar Profit erzielt werden kann, das vermittelt der internationale ökologische Anbauverband "Naturland e.V." Seit Jahrzehnten unterstützt er Kleinbauern auf der ganzen Welt. In Tansania lernen sie, wie sie ihre Felder auch umweltfreundlich bestellen können. "Tansania hat einen sehr fruchtbaren Boden. Richtig behandelt bedarf der keiner chemischen Zusätze," so Anne-Catrin Hessenland von Naturland.

Auf teures genmanipuliertes Saatgut kann so verzichtet werden. Hessenland weiß, die Arbeit ihres Verbandes schützt sogar Leben. Viele Jahre sind von der Regierung Pestizide und chemische Düngemittel zur Verfügung gestellt worden. Die Bauern haben ihre Erfahrungen damit gemacht. Durch falsche Anwendung haben sie Pflanzen, oft sogar ihre gesamte Ernte verloren. Durch mangelnde Schulung und Schutzkleidung sind sie und Familienangehörige krank geworden, einige gestorben.

"Gerade in solchen Regionen wird unsere Arbeit sehr gut angenommen. Die Bauern wollen sich und ihre Umwelt schützen und wissen aus eigener Erfahrung, dass es keinen besseren Weg gibt," so Hessenland. Zum Umweltschutz gibt es schlicht keine Alternative.

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Autor:
Alexandra Tapprogge