Afrika Auf den Spuren von David Livingstone

MERIAN.de: Herr Hoppe, Sie sind auf den Spuren des großen Entdeckers David Livingstone gereist. Wo begann die Reise?
Steffen Hoppe: Die Tour gliederte sich in drei Einzelreisen. Insgesamt waren ein Freund von mir und ich etwa vier Monate unterwegs. Gestartet sind wir in Tansania, an der Küste. Von dort ging es mit dem Fahrrad bis zum Malawisee. Die zweite Etappe führte uns nach Sambia zur Todesstätte von David Livingstone, nach Chitambo Village. Und die dritte Reise befasste sich mit den früheren Entdeckungen von David Livingstone im heutigen Simbabwe - von der Kariba-Talsperre bis zu den Victoriafällen.

Wie kam es zu der Idee, auf den Spuren eines Afrikaforschers zu reisen?
Meine Frau und ich sind auf unserer Hochzeitsreise von Offenbach bis zum Kilimandscharo zwölf Monate mit dem Fahrrad unterwegs gewesen - und fuhren sehr lange am Nil entlang. So entwickelte ich eine große Beziehung zu dem Fluss. David Livingstone wurde damals von der Royal Geographical Society in London ausgeschickt, um die Quellen des Nils im Inneren Afrikas zu finden. Er war insgesamt sieben Jahre unterwegs, verstarb dann aber letztendlich, ohne einen Erfolg nachweisen zu können. Das Besondere für mich an David Livingstone ist, dass er schon damals sehr bewusst gereist ist. Es ging ihm während der Expeditionen nicht ausschließlich um seine eigenen Entdeckungen. Er war zum Beispiel einer der ersten, der gegen die Sklaverei vorgegangen ist. David Livingstone wollte die Lebensumstände der Menschen verbessern - und das in einer Zeit, in der Entdecker eigentlich losgezogen sind, um Ruhm zu ernten.

War es überhaupt möglich, nach all den Jahrhunderten den Weg von David Livingstone nachzuvollziehen?
Das war in der Tat einfach, denn David Livingstone hat sehr genau Tagebuch geschrieben. Natürlich hat sich die Umgebung verändert, aber den Routenverlauf konnten wir gut nachreisen. Und wenn wir an manchen Stellen tatsächlich nicht mehr wussten, wo es weiterging, haben wir in den kleinen Dörfern gefragt. Gelegentlich mussten wir die Fahrräder auch schieben, weil es sehr sandig war, aber den größten Teil der Strecke waren die Wege gut befahrbar.

Wie war das Gefühl, an Orten zu stehen, die bereits David Livingstone mit eigenen Augen gesehen hatte?
Das war gewaltig. Besonders dann, wenn die Tagebuch-Einträge mit dem, was man vor Ort angetroffen hat, übereinstimmten - zum Beispiel die tansanischen Küstenorte am Indischen Ozean, die er in Malereien festhielt, das war fast eins zu eins das gleiche Bild. Wir haben auch Einheimische getroffen, die von ihren Vorfahren Geschichten über David Livingstone erzählt bekommen haben, damals, als er in der Gegend unterwegs war - das war ganz besonders.

David Livingstone ist in Chitambo Village gestorben. Wie sieht es dort heute aus?
Chitambo Village ist ein kleines Dorf in Sambia mit ein paar Rundhütten, es gibt eine kleine Baumallee, an deren Ende ein großer Mangobaum steht mit einer Steinpyramide. Unter dieser Steinpyramide soll angeblich noch das Herz von David Livingstone ruhen.

Kontakt mit den Einheimischen in Afrika
Steffen Hoppe
Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, findet schnell Kontakt zu den Einheimischen.
Ähnlich wie David Livingstone sind Sie durch Gebiete gefahren, in denen selten ein Weißer zu sehen ist. Wie haben die Menschen auf Sie reagiert?
Mit dem Fahrrad kommt man immer wieder in Gebiete, in die kaum Touristen vordringen. Da erregt man schnell die Aufmerksamkeit der Einheimischen. Plötzlich stehen 50 bis 100 Leute beisammen und gucken einen an. Aber das war toll, so haben wir viel Kontakt zu den Menschen bekommen.

Ist Ihnen eine zwischenmenschliche Begegnung besonders in Erinnerung geblieben?
In Sambia, im Todesort von Livingstone, hat uns eine Bewohnerin mit nach Hause genommen. Wir durften bei ihr zelten. Abends beim Essen hat sie uns alte Geschichten über David Livingstone erzählt. Die Menschen haben ihn damals als Geist angesehen, weil er der erste Weiße war, den sie zu Gesicht bekamen.

Küstenregion in Tansania
Steffen Hoppe
Immer wieder beeindruckend: die Küstenregion.
Was hat Sie auf Ihren Touren landschaftlich am meisten beeindruckt?
Die Küstenregion in Tansania war sehr beeindruckend: tolle Palmenlandschaften, tolle Strände mit alten Holzbooten und auch Orte, die faszinieren. Mikindani zum Beispiel, im Süden Tansanias, wo sich David Livingstone auf seine Reise vorbereitete  und von dort 1866 ins Innere des Landes zog. In Sambia blieb mir die Abfahrt zum Tanganika-See besonders in Erinnerung. Da geht es 1000 Höhenmeter hinunter vom Hochland in die Ebene.

Gibt es noch weitere Entdecker, auf dessen Spuren Sie mal wandeln möchten?
Eine ganz große Sache wäre natürlich, den Spuren von Alexander von Humboldt zu folgen. Dafür braucht man aber viel Zeit, weil seine Reisen so umfangreich waren.

Autor

Susanna Bloß