Angola

Wissenswertes über Angola

Natur und Klima:

Angola, zu dessen Territorium auch die Exklave Cabinda nördlich der Kongomündung gehört, besteht überwiegend aus dem Hochland von Bie (1000 bis 1500 Meter). Im Westen fällt es in mehreren Stufen zum 70 bis 150 Kilometer breiten Küstentiefland ab; die Küste selbst ist durch Buchten und Flussmündungen stark gegliedert. Das meist ebene Hochland (Planalto) wird vereinzelt von bis zu 2300 Meter hohen Inselbergen überragt und von Südwest nach Nordost von der Lundaschwelle durchzogen. Dieser Gebirgszug bildet die Wasserscheide zwischen dem wasserreichen Stromsystem des Cuanza und Kongo im Norden sowie dem Kunene, Cubango und Sambesi im Süden. Dort, wo die Lundaschwelle auf die Randschwelle trifft, liegt mit 2619 Meter die höchste Erhebung des Landes.

Vom Regenwald zur Wüste:

Angola liegt im Bereich der wechselfeuchten Tropen; die Regenzeit dauert von Oktober bis April. Infolge der Höhenlage und unter dem Einfluss des kühlen Benguelastromes ergeben sich erhebliche klimatische Unterschiede. Das Binnenland hat ein mildes tropisches Klima mit Durchschnittstemperaturen von 20 Grad und Niederschlägen bis 1500 mm. Der Küstenbereich ist heiß und trocken; die Niederschläge liegen zwischen 600 mm im Norden und 50 mm im Süden. Den klimatischen Bedingungen entspricht die Vegetation: Der tropische Regenwald im Nordwesten geht über Trockenwald bis in Dornsavanne im Südosten über. Im äußersten Süden reicht die Wüste der Namib nach Angola hinein.

Bevölkerung:

Obwohl sich die Einwohnerzahl in den vergangenen 25 Jahren verdoppelt hat, weist Angola nur eine geringe Bevölkerungsdichte auf. Traditionelle Siedlungsräume sind die klimatisch begünstigten Landschaften der Randschwelle und des sich anschließenden Planaltos. Der Bürgerkrieg hat Millionen aus ihren Heimatorten vertrieben, davon viele in die Slums der Hauptstadt Luanda. Auf dem Land ist der Großteil der Menschen auf die ausländischen Nahrungsmittelhilfen angewiesen und hat keinen Zugang zu medizinischen Versorgungseinrichtungen. Die Kindersterblichkeit von 18,2 Prozent gehört zur höchsten der Welt.

Staat und Politik:

Nach der mehrfach geänderten Verfassung von 1992 ist Angola eine präsidiale Republik. Der für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählte Staatspräsident hat umfangreiche Befugnisse. Er ernennt unter anderem den Premierminister. Die Nationalversammlung mit 220 Abgeordneten wird für eine Legislaturperiode von vier Jahren gewählt. Wichtigste Parteien sind die regierende Volksbewegung für die Befreiung Angolas (MPLA) und die Nationale Union für die vollständige Unabhängigkeit Angolas (Unita).

Wirtschaft und Verkehr:

Durch seine Ressourcen (Erdöl, Diamanten, Mineralien) hat Angola günstige Entwicklungsvoraussetzungen. Doch hatte der Krieg diese Entwicklungschancen im Keim erstickt. Obwohl die Wirtschaft seit 2002 zweistellige Wachstumsraten erzielt, herrscht besonders unter der Landbevölkerung noch immer bittere Armut.

Für den Export werden vor allem Kaffee und Zuckerrohr angebaut. Dank der kalten Meeresströmung sind die Küstengewässer sehr fischreich; die Wälder bieten eine gute Grundlage für die Forstwirtschaft. Überdies besitzt Angola beachtliche Wasserkraftreserven und reiche Vorkommen an Erdöl, Erdgas, Diamanten, Eisenerz, Kupfer, Phosphat, Bauxit und Uran. Mit einem Exportanteil von mehr als 90 Prozent ist Erdöl, das vor der Küste gefördert wird, die tragende Säule der Wirtschaft. Von den Seehäfen Luanda, Lobito und Namibe verlaufen Eisenbahnlinien ins Landesinnere. Die Benguela-Bahn von Lobito führt bis nach Mosambik.

Geschichte:

Kolonialzeit:

Das Gebiet des heutigen Angola war Teil des Königreiches Kongo, als der Seefahrer Diego Cão 1482 die Küste des Landes entdeckte und für die portugiesische Krone in Besitz nahm.

Lunda diente seit 1575 als Stützpunkt für den Vorstoß ins Landesinnere, dem die Einheimischen starken Widerstand entgegensetzten. In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Region (seit 1653 portugiesische Kolonie) zum größten Ausfuhrgebiet des portugiesischen Skalvenhandels. Nach dessen Ende im 19. Jahrhundert konzentrierten sich die Portugiesen auf die Anlage von Plantagen sowie die Nutzung von Bodenschätzen. Nach 1945 lenkte Portugal in großer Zahl weiße Siedler nach Angola, das 1951 zur Überseeprovinz erklärt wurde. In den sechziger Jahren begann der bewaffnete Befreiungskampf.

Unabhängigkeit und Bürgerkrieg:

Erst der Sturz der Diktatur in Portugal brachte Angola am 11. November 1975 die Unabhängigkeit. Schon vorher war es zum Bruch zwischen den verschiedenen Befreiungsbewegungen gekommen. Es entbrannte ein blutiger Bürgerkrieg, bei dem sich die marxistische MPLA mit Hilfe kubanischer Truppen gegen die von Südafrika unterstützte Unita durchsetzten konnte. 1988 einigten sich Angola, Kuba und Südafrika auf den Abzug der kubanischen Truppen aus Angola.

1991 kam es zu einem Friedensvertrag zwischen der Unita und der MPLA. Doch nach dem Sieg der MPLA, geführt von dem seit 1979 amtierenden Staatspräsidenten José Eduardo dos Santos, bei den Wahlen 1992 nahm die Unita den bewaffneten Kampf wieder auf. Alle Friedensbemühungen blieben zunächst ohne Erfolg. Erst nach dem Tod des Unita-Führers Jonas Savimbi 2002 kam es unter Vermittlung der Uno zu einem Waffenstillstand. Nach dem Ende des bewaffneten Konflikts begannen die Bemühungen um den Wiederaufbau des Landes. So konnte der größte Teil der Bürgerkriegsflüchtlinge in die Heimat zurückkehren. Außerdem bemühte sich die Regierung, die innenpolitischen Voraussetzungen für die Abhaltung von Wahlen zu schaffen. Diese konnten schließlich im September 2008 stattfinden und bescherten der MPLA einen überwältigenden Sieg.


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