Vereinigte Arabische Emirate Abu Dhabi entdecken

Falke in Abu Dhabi

Die Geschichte von Dr. Margit Müller ist so wundersam, als hätte Scheherazade sie erzählt. Frau Müller, 44, war nämlich einmal eine gewöhnliche Tierärztin aus Weißenhorn bei Ulm. Heute ist sie die Falken-Flüsterin von Abu Dhabi, dem größten und wohlhabendsten der sieben Vereinigten Arabischen Emirate mit rund 2,33 Millionen Einwohnern. Was man auch wissen muss, wenn man die Geschichte von Dr. Margit Müller erzählt, ist, dass ein Jagdfalke hier gern einmal so viel kostet wie eine Villa. Und nicht nur das: Falken haben eigene Sofas im Wohnzimmer, speisen am liebsten feinste Wachteln, besitzen einen sicheren Sitz im weißen SUV und einen schattigen Thron im klimatisierten Büro ihres Besitzers. Und: Der durchschnittliche Scheich würde eher sein Kind zu Fuß durch die Wüste schicken, als seinem Vogel die Economyclass in einem Flugzeug zuzumuten. Ja, Flugzeug. Im Hochsommer, wenn es in Arabien zu heiß wird, werden die Vögel nämlich nach Kasachstan oder Weißrussland transportiert, damit sie ihre Jagdfähigkeiten trainieren können.

Wenn Sie also im Flieger ab Abu Dhabi in der First Class mal neben einem Greifvogel sitzen, können Sie Ihren Augen ruhig trauen. Für diese Trips besitzen die Tiere sogar Reisepässe – die natürlich von Dr. Margit Müller eingeführt wurden. Heute hocken noch acht Vögel im Wartezimmer des Abu Dhabi Falcon Hospital, das eine halbe Stunde Fahrt von Abu Dhabi Stadt entfernt liegt. Dr. Müller greift nach einem beigeweißen Exemplar. Je heller die Vögel sind, desto wertvoller. Und: Kostbar sind eh nur die Weibchen, die Männchen machen nämlich bei der Jagd zu schnell schlapp. Margit Müller legt es auf den Tisch und schiebt den Kopf sanft in die Narkoseglocke. Ein kurzes Aufbäumen, dann döst die 80 000-Dollar-Lady ein. Die Pediküre kann beginnen, gefeilt wird mit einem umgebauten Dremel aus dem Baumarkt in Deutschland. Bis die Emirater zu der Falken-Frau Vertrauen fassten, dauerte es lange. "Zuerst kamen ihre Ehefrauen mit den nicht ganz so teuren Tieren zur Probebehandlung", erinnert sich Margit Müller. Fünfzehn Jahre ist das her, heute rennen ihr die reichsten Scheichs aus Saudi Arabien, Katar oder Dubai mit ihren wertvollsten Tieren die Bude ein. Hier am Golf weiß jeder: Die "Doktora" richtet die Flügel schon wieder.

Kamel in Abu Dhabi
Iain Masterton/Corbis
Kamele gehören zum Alltagsbild in Abu Dhabi
Ein anderer bizarrer Ort, der in Abu Dhabi entdeckt werden will, ist das Qasr Al Sarab Resort in der Liwa-Oase am Rand der Wüste Rub al-Kali. Unwirklich wie eine Fata Morgana liegt die Hotelanlage mittendrin, hier ist der Sand röter als der in Marokko oder Tunesien. Wer morgens auf eine Düne steigt, kann sogar Gazellen treffen – aber das größte Vergnügen ist den Ohren gegönnt. In der Wüste hören sie nämlich endlich mal – gar nichts.

Die gesamte Hotelanlage ist eine Vision eines Sohnes von Scheich Chalifa bin Zayid Al Nahyan, dem Herrscher über Abu Dhabi. Seit elf Jahren regiert Scheich Chalifa das Emirat, er liebt die landestypischen Sportarten, Pferde- und Kamelrennen. Kein Wunder also, dass sein Sohn das Hotel inklusive Stallungen für edle Araberpferde plante, mit einem Hubschrauber-Landeplatz – und dem größten Pool, der je in eine Wüste gebaut wurde. An diesem Pool wachen Dilli aus Nepal und Asanka aus Sri Lanka über die Sicherheit der Gäste. Die zwei sind die einzigen Wüstenbademeister der Welt. "Passiert ist noch nie etwas. Aber die Arbeit ist gut, besser als in Dubai", findet Dilli. Neben dem Geld, das er nach Hause schickt, spart er jeden Dollar, damit er seine Tochter in Nepal besuchen kann. Drei Jahre hat er sie nicht gesehen. Auch das ist Abu Dhabi.

Kamelrennen: unbedingt anschauen!

Wüste in Abu Dhabi
Julien GARCIA/Photononstop/Corbis
Wüste in Abu Dhabi
Wer übrigens noch nie bei einem Kamelrennen war – nichts wie hin, es ist ein Riesenspaß, und der Eintritt ist frei. 45 Kilometer östlich von Abu Dhabi Stadt liegt die Rennstrecke Al Wathba. Bei einem regulären Rennen rasen die Tiere los, die Besitzer fahren im SUV nebenher. Auf dem Rücken der Rennkamele rotiert ein umgebauter Akkuschrauber mit Peitsche, die Scheichs brüllen dazu aus dem fahrenden Wagen "Yalla, yalla!" ins Walkie-Talkie. Wer gewinnt, bekommt noch ein SUV – und sonnt sich in dem Ruhm, einen Champion zu besitzen. In den Emiraten hat ein Kamelrennen einen ähnlichen Stellenwert wie bei uns die Fußballbundesliga: Im Fernsehen und Radio kann man die Übertragung verfolgen, die Championkamele werden verehrt wie Manuel Neuer – und auch die Ablösesummen sind vergleichbar. Nur wetten darf niemand, das verbietet der Islam.

Wer mehr PS schätzt, wird auf dem Yas-Marina-Circuit unweit von Abu Dhabi Stadt selig. Wenn Sie Formel 1 hier mal live erleben wollen, merken Sie sich den 29. November 2015, da ist  Saisonabschluss in Abu Dhabi. Zur gleichen Zeit soll auch die neue Dependance des Louvre eröffnen. Das von Architekt Jean Nouvel entworfene Museum entsteht auf der Insel Saadiyat auf mehr als 64 000 Quadratmetern, eine Kuppel mit einem Durchmesser von 180 Metern wird das Museum  überspannen. Für die Emirater, die es gewohnt sind, dass man Hochhäuser in zwölf Wochen fertigstellen kann, zieht sich das Projekt. Grund: Seit drei Jahren testen Ingenieure den Lichteinfall zu jeder Tages- und Jahreszeit, um das charakteristische Glasdach optimal auszurichten. 525 Millionen Dollar soll Abu Dhabi allein für den Namen Louvre bezahlt haben. Aber hey, was kostet die Welt? Man liebt Superlative hier.

Scheich-Zayid-Moschee
Tibor Bognar/Corbis
Scheich-Zayid-Moschee
Darum hat die prunkvolle Scheich-Zayid-Moschee mit 7000 Quadratmetern nicht nur den größten zusammenhängenden Perserteppich, sondern auch den größten Kronleuchter der Welt. 15 Meter ist er hoch, und eine Million Swarovski-Kristalle zieren den Lüster. Besucher – und jeder hat Zugang zur größten Moschee der Vereinigten Arabischen Emirate – bestaunen das Kunstwerk mit offenem Mund. Nächtelang könnte man über die Wunder von Abu Dhabi erzählen. So wie Scheherazade – tausendundeine Geschichte, tausendundeinmal staunen.

Reiseinformationen über Abu Dhabi

Reisezeit: Zwischen November und März liegen die Temperaturen bei 23 Grad.
Hinkommen: Airberlin fliegt täglich ab Berlin und Düsseldorf nonstop nach Abu Dhabi, ab 594 €
Wohnen: Luxus im Wolkenkratzer bekommen Sie im St. Regis Abu Dhabi, ab 121 Euro p.P./Nacht inkl. Frühstück. Im Fünf-Sterne-Resort in der Liwa-Oase "Qasr Al Sarab Desert Resort by Anantara" übernachten Sie ab ca. 175 Euro p.P./Nacht inkl. Frühstück. Wohnen im Formel-1-Kurs können Sie im Yas Viceroy, ab 100 Euro p.P./Nacht inkl. Frühstück. Das Emirates Palace ist ein Tausendundein Traumhotel, ab 181 Euro p.P./Nacht inkl. Frühstück. Alle Hotels sind buchbar über die Seite www.dertour.de und in allen Reisebüros mit Dertour-Programmen.
Shoppen: Eine kleine, feine Mall, von den alten Souks inspiriert, ist der World Trade Centre Souk im Zentrum www.wtcad.ae

Unsere Ausflugstipps in Abu Dhabi: 

Zwei Stunden lang die berühmte Falkenklinik erkunden und hinter die Kulissen schauen: ab ca. 50 Euro; ein Kamelausritt in den Sonnenuntergang kostet ab ca. 90 Euro.
Geführte Touren: Stadtrundfahrt Abu Dhabi mit deutschem Guide, 32 Euro p.P.
Tagestrip in die Wüste, mit Picknick, Besuch von Beduinendörfern und Kamelfarm, 67 Euro p.P.
Vor der Reise gut informiert sein: Das Emirat Abu Dhabi wächst und verändert sich ständig. Alle Infos über die neuesten Sehenswürdigkeiten, Museen oder Attraktionen, das Klima und die  Einreisebestimmungen erhalten Sie bei der Abu Dhabi Tourism & Culture Authority in Frankfurt,
Tel. 069/29 92 53 90; www.visitabudhabi.ae/de

Autor:
Stefanie Lindenberger