Aachener Dom Einer der größten Kirchenschätze Europas

Die Meisterdiebe um George Clooney aus dem Hollywood-Film "Oceans Eleven" hätten ihre wahre Freude hier, denn die Schatzkammer des Aachener Doms ist voll an wertvollen Gegenständen. Allein das 50 Zentimeter große Lotharkreuz aus Gold- und Silberblech ist mit 102 Edelsteinen und 35 Perlen besetzt - nur eines von über 100 Exponaten, die in der Domschatzkammer ausgestellt werden und jährlich mehr als 250.000 Besucher anziehen.

Jahrhundertelang, von 936 bis 1531, war der heutige Aachener Dom die Krönungskirche der römisch-deutschen Könige. Die gekrönten Häupter, Karl der Große vorneweg, besorgten diese gewaltige Ansammlung an sakralen Schätzen aus spätantiker, karolingischer, ottonischer, staufischer und gotischer Zeit. Manche Exponate zählen zu den größten Kunstwerken ihrer jeweiligen Epoche.

Nicht nur in der Domschatzkammer, sondern auch in der von dort über den Domhof zu erreichenden Kathedrale finden sich wertvolle Arbeiten mittelalterlichen Goldschmiede-Handwerks, etwa der Karls- und der Marienschrein aus dem 13. Jahrhundert.

In dem mit mehr als 1000 Edelsteinen besetzten, goldenen Marienschrein werden vier große Berührungsreliqiuen aufbewahrt: die Windeln und das Lendentuch Jesu, das Kleid von Maria und das Enthauptungstuch von Johannes dem Täufer.

Eine der interessantesten Reliquien des Marienscheins wurde allerdings während des Zweiten Weltkriegs zerstört. Mehr als 500 Jahre lang gehörte ein geheimnisvolles Kästchen zum Inhalt des Marienschreins, das Noli-me-tangere! ("Rühr mich nicht an!") genannt wurde.

Im Jahr 1356 hatten die Kanoniker des Doms diese knapp 15 Zentimeter lange Silberschatulle dem Marienschrein beigelegt und verfügt, der Behälter solle nie wieder geöffnet werden. Der Legende nach soll sich im Laufe der Zeit jedoch ein Dekan nicht an die Anweisung gehalten und aus Neugier einen Blick ins Innere geworfen haben. Er sei umgehend erblindet, heißt es in der Überlieferung.

Anfang des 19. Jahrhunderts, zu Zeiten der französischen Besetzung, wurde das Geheimnis des Noli-me-tangere! gelüftet - wenn auch durch Zufall. Als man 1804 Napoleons Gattin, Kaiserin Joséphine, bei einem Rundgang durch den Dom die Reliquien zeigte, öffnete diese aus Versehen die Schatulle und erblickte erschrocken (die Geschichte des erblindeten Dekans war ihr geläufig) mehrere winzige Stücke Stoff, die ehemals Teil der anderen Reliquien des Marienschreins waren. Anscheinend hatte ein diebischer Pilger während einer Heiligtumsfahrt - trotz scharfer Bewachung der Tuchreliquien - kleine Partikel von jedem der Stoffe abgetrennt und entwendet.

Kurz vor seinem Tod ließ der reuige Sünder diese "Souvenirs" jedoch wieder dem Aachener Dom zukommen. Dort übte man sich dann in der Vertuschung des peinlichen Diebstahls und versteckte die Beweise für den unrühmlichen Zwischenfall in dem Silberkästchen, dass während des Zweiten Weltkriegs von einer Phosphorbombe zerstört wurde.

Wenn Sie die Domschatzkammer besuchen möchten, finden Sie die Öffnungszeiten.

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Autor:
Denis Krah